Die Mailjet-Oberfläche: volumenbasiertes Modell, kollaborativer Editor und Marketing- sowie Transaktionsmails in einem Dashboard.
Mailjet auf einen Blick
Mailjet ist 2010 in Paris gegründet worden und gehört seit einigen Jahren zur schwedischen Sinch-Gruppe, einem der größten Kommunikationsinfrastruktur-Unternehmen der Welt. Was Mailjet von den meisten anderen Tools in diesem Testbericht unterscheidet, ist die klare Doppelrolle: Es richtet sich gleichzeitig an Marketing-Teams, die professionelle Newsletter versenden, und an Entwickler sowie IT-Teams, die eine zuverlässige Infrastruktur für transaktionale System-E-Mails suchen.
Das Preismodell ist dabei einer der stärksten USPs: Mailjet rechnet nach versendeten E-Mails ab, nicht nach der Anzahl der Kontakte. Das bedeutet, man kann eine sehr große Kontaktliste aufbauen und zahlt trotzdem nur für die tatsächlich versendeten Mails. Für Unternehmen mit großen Empfängerlisten und unregelmäßigem Versandrhythmus kann das erheblich günstiger sein als kontaktbasierte Modelle.
Für wen eignet sich Mailjet?
Mailjet hat zwei klar verschiedene Nutzungsprofile, die sich aber gut ergänzen:
- Marketing-Teams in mittleren und größeren Unternehmen, die gemeinsam an Newsletter-Templates arbeiten und den Kollaborations-Editor produktiv nutzen können
- Entwickler und IT-Abteilungen, die eine stabile API oder ein SMTP-Relay für System-Mails (Rechnungen, Passwort-Resets, Buchungsbestätigungen) suchen und beide E-Mail-Typen über dieselbe Infrastruktur abwickeln wollen
- Unternehmen mit großen Kontaktlisten und unregelmäßigem Versand, die vom volumenbasierten Preismodell profitieren und nicht für inaktive Kontakte zahlen wollen
- EU-orientierte Unternehmen, die auf DSGVO-freundliche Datenspeicherung in der EU Wert legen, aber kein zwingend deutsches Unternehmen als Anbieter benötigen
- Sinch-Ökosystem-Nutzer, die neben E-Mail auch WhatsApp for Business oder SMS über eine einheitliche Kommunikationsplattform versenden wollen
Einschätzung: Mailjet ist nicht das Tool für jemanden, der einen einfachen monatlichen Newsletter ohne technischen Hintergrund versenden will. Dafür sind MailerLite oder Brevo deutlich einfacher. Mailjet ist das Tool, wenn Kollaboration im Team oder die Kombination aus Marketing- und Transaktionsmails auf einer stabilen EU-Infrastruktur gefragt ist.
Funktionen & Besonderheiten
Echtzeit-Kollaboration: Das Google-Docs-Prinzip für Newsletter
Das einzigartigste Feature von Mailjet im Marktvergleich ist der kollaborative E-Mail-Editor. Wie in Google Docs können mehrere Teammitglieder gleichzeitig an derselben Newsletter-Vorlage arbeiten. Jeder sieht in Echtzeit, wer welchen Textblock bearbeitet, Änderungen werden live synchronisiert und es gibt keine Konflikte durch paralleles Speichern verschiedener Versionen. Das ist ein Feature, das bei fast keinem anderen E-Mail-Marketing-Tool in dieser Form verfügbar ist. Für Redaktionsteams, Agenturen oder Unternehmen mit mehreren Marketing-Mitarbeitern ist das ein erheblicher Produktivitätsgewinn gegenüber dem klassischen Workflow, bei dem eine Person den Editor hat und andere auf den fertigen Export warten.
Volumenbasiertes Preismodell: Bezahlen nach versendeten Mails
Mailjet ist eines der wenigen Tools in diesem Testbericht, das nach versendeten E-Mails und nicht nach der Anzahl der gespeicherten Kontakte abrechnet. Die praktische Konsequenz: Wer eine große Kontaktliste hat, aber nur gelegentlich sendet, zahlt bei Mailjet oft deutlich weniger als bei kontaktbasierten Anbietern wie Mailchimp oder ActiveCampaign. Wer hingegen täglich an seine gesamte Liste sendet, kann das Modell schnell teurer finden als eine Flatrate.
Marketing- und Transaktionsmails auf einer Infrastruktur
Mailjet trennt im Interface klar zwischen Marketing-Newslettern und transaktionalen E-Mails (Passwort-Resets, Bestellbestätigungen, Rechnungen), lässt aber beide über dieselbe hochverfügbare Infrastruktur laufen. Das hat einen konkreten Vorteil: Die Absender-Reputation, die durch regelmäßige Marketing-Mails aufgebaut wird, strahlt positiv auf die Zustellbarkeit der Transaktionsmails ab, und umgekehrt profitieren Marketing-Mails von der technischen Zuverlässigkeit der Transaktions-Infrastruktur. Die SMTP-API ist gut dokumentiert und ermöglicht die Integration in bestehende Anwendungen in wenigen Stunden.
DSGVO & Sinch-Ökosystem
Als französisches Unternehmen mit EU-Datenspeicherung in Belgien und Frankfurt ist Mailjet DSGVO-konform einzurichten. Durch die Zugehörigkeit zur Sinch-Gruppe ist es zudem in ein größeres Kommunikationsökosystem eingebettet: SMS-Gateways, WhatsApp for Business und andere Kanäle lassen sich über Sinch-Produkte mit der Mailjet-E-Mail-Infrastruktur kombinieren.
DSGVO & Datenschutz
Mailjet ist ein französisches Unternehmen, das als Teil der Sinch-Gruppe EU-Datenspeicherung auf Google Cloud-Servern in Belgien und Frankfurt betreibt. Die DSGVO-Einrichtung ist einfacher als bei US-Anbietern, aber nicht ganz so unkompliziert wie bei deutschen Anbietern wie CleverReach oder Rapidmail.
- EU-Datenspeicherung: Google Cloud-Server in Belgien und Frankfurt.
- Datenverarbeitungsvereinbarung (DPA): Verfügbar und im Account abschließbar.
- Double-Opt-in: Konfigurierbar und für den deutschen Markt empfohlen.
- Datenlöschung und -export: Vollständig über das Dashboard steuerbar.
- Kein deutsches Unternehmen: Für Behörden oder streng regulierte Branchen mit explizitem DE-Serverstandort-Anforderung nicht geeignet.
DSGVO-Einschätzung: Mailjet ist als EU-Unternehmen mit EU-Datenspeicherung für die meisten deutschen Unternehmen DSGVO-konform einsetzbar. Wer zwingend einen deutschen Serverstandort oder einen deutschen AV-Vertragspartner braucht, sollte zu CleverReach, KlickTipp oder Rapidmail wechseln.
Preise & Tarife im Überblick
Mailjet rechnet nach versendeten E-Mails ab, nicht nach der Anzahl gespeicherter Kontakte. Das Free-Paket erlaubt bis zu 6.000 E-Mails pro Monat (tägliches Limit: 200). In allen Bezahltarifen entfällt das Tageslimit. Bei Jahresabrechnung gibt es 10 % Rabatt.
Die fünf Tarife
Free (0 €/Monat): Bis 6.000 E-Mails/Monat, tägliches Limit 200 Sends, max. 1.000 Kontakte. Inklusive APIs, SMTP-Relay, Webhooks und grundlegende Statistiken. Mit Mailjet-Branding, Online-Support nur im ersten Monat.
Starter (ab 8 €/Monat): Ab 8.000 E-Mails/Monat, kein Tageslimit, 2.000 Kontakte. Ergänzt durch Brand Kit und dauerhaften Online-Support.
Essential (ab 16 €/Monat): Ab 15.000 E-Mails/Monat, unbegrenzte Kontakte. Ergänzt durch Segmentierung, KI-gestützte Inhaltserstellung, 500 E-Mail-Validierungen/Monat, benutzerdefinierte Abmeldeseite und kein Mailjet-Branding mehr.
Premium (ab 25 €/Monat): Ab 15.000 E-Mails/Monat. Ergänzt durch erweiterte Statistiken, Automatisierungen, Landingpages, Team- und Kontoverwaltung, Priority-Support und dedizierte IP-Adresse ab dem 100.000-Mails-Abonnement.
Custom (Enterprise): Individueller Preis ab ca. 450.000 E-Mails/Monat. Mit dediziertem Technical Account Manager, IP-Strategie-Management, Blocklisten-Monitoring und maßgeschneiderter Benutzerverwaltung.
| E-Mails/Monat | Essential | Premium |
|---|---|---|
| bis 6.000 (Free) | 0 € (mit Tageslimit 200, 1.000 Kontakte) | |
| 15.000 | 16 € | 25 € |
| 50.000 | ca. 26 € | ca. 42 € |
| 100.000 | ca. 55 € | ca. 80 € |
| 250.000 | ca. 130 € | ca. 175 € |
| 500.000 | – | ca. 358 € |
Alle Preise pro Monat bei monatlicher Zahlung in EUR (Richtwerte). Jahresabrechnung spart 10 %. Mailjet zeigt exakte Preise über einen dynamischen Schieberegler. Kein Kontaktlimit in Bezahltarifen. Alle Angaben ohne Gewähr.
Wann lohnt sich das volumenbasierte Modell? Wer eine große Kontaktliste hat, aber nur selten oder an Teilsegmente sendet, spart gegenüber kontaktbasierten Tools erheblich. Beispiel: 20.000 Kontakte, aber nur monatlich 15.000 E-Mails versenden. Bei Mailjet Essential: 16 €/Monat. Bei Mailchimp (kontaktbasiert, 20.000 Kontakte, Standard): ca. 230 €/Monat.
Typische Anwendungsfälle
Redaktionsteam mit mehreren Newsletter-Autoren
Eine Online-Redaktion mit drei Autoren erstellt monatlich einen Kundenbrief. Früher schrieb immer eine Person, schickte den Entwurf per E-Mail und wartete auf Feedback. Mit Mailjet arbeiten alle drei gleichzeitig im selben Editor: einer schreibt den Einleitungstext, die zweite befüllt den Produktblock und der dritte überarbeitet den Abschluss. Änderungen sind sofort sichtbar. Die Fertigstellungszeit des Newsletters halbiert sich.
SaaS-Unternehmen mit Marketing- und Transaktionsmails
Ein SaaS-Anbieter betreibt über Mailjet sowohl den monatlichen Feature-Update-Newsletter als auch alle System-E-Mails (Registrierungsbestätigungen, Passwortrücksetzungen, Rechnungen). Beide Mailtypen laufen über dieselbe Mailjet-Infrastruktur. Der Vorteil: ein einziger Anbieter, eine API-Integration, eine DSGVO-Dokumentation und eine gemeinsame Zustellbarkeits-Reputation. Die Transaktionsmails profitieren von der gewachsenen Sender-Reputation des regulären Newsletters.
E-Commerce mit großer inaktiver Kundendatenbank
Ein Online-Shop hat 80.000 E-Mail-Adressen in der Datenbank, von denen aber nur 20.000 aktiv sind. Bei Mailchimp (kontaktbasiert) würde er für alle 80.000 zahlen, sofern er nicht manuell archiviert. Bei Mailjet zahlt er nur für die Mails, die er tatsächlich versendet, z. B. 20.000 E-Mails pro Mailing an aktive Kunden. Essential-Tarif: ca. 55 €/Monat für 100.000 Mails. Eine vergleichbare Listengröße bei Mailchimp Standard kostet über 500 €/Monat.
Entwicklerteam mit SMTP-Relay-Anforderungen
Ein IT-Team sucht einen zuverlässigen SMTP-Relay-Dienst für eine Webanwendung, die täglich automatisierte E-Mail-Benachrichtigungen versendet. Mailjet bietet eine gut dokumentierte REST-API und einen klassischen SMTP-Relay-Zugang. Beide können im Free-Plan getestet werden. Die API-Dokumentation ist auf Entwickler zugeschnitten und enthält Code-Beispiele für alle gängigen Programmiersprachen. Im Essential-Tarif stehen zusätzlich E-Mail-Validierungen zur Verfügung, um die Liste von ungültigen Adressen zu bereinigen.
Vorteile & Nachteile
Vorteile
- Einzigartiger Echtzeit-Kollaborations-Editor
- Volumenbasiertes Modell: kein Kontaktlimit in Bezahltarifen
- Marketing- und Transaktionsmails auf einer Infrastruktur
- EU-Datenspeicherung (Belgien, Frankfurt) – DSGVO-konform
- Sehr günstig bei großen Listen und seltenem Versand
- Stabile API und gut dokumentiertes SMTP-Relay
- Sinch-Ökosystem: WhatsApp, SMS aus einer Plattform
Nachteile
- Kaum Automatisierungstiefe (kein Tagging, keine komplexen Funnels)
- Support im Free- und Essential-Tarif oft langsam
- Kein CRM oder Sales-Pipeline
- Kein deutsches Unternehmen (kein DE-Serverstandort)
- Kein Tagging-System für Kontaktsegmentierung
- Free-Plan stark eingeschränkt (200 Mails/Tag)
- Volumenmodell teurer bei häufigem Versand an große Listen
Alternativen zu Mailjet
Mailjet ist in seiner Nische (Kollaboration + Transaktionsmails + volumenbasiertes Modell) kaum direkt vergleichbar. Für andere Anforderungen:
Brevo Aus Paris 🇪🇺
Die stärkere Multichannel-Alternative aus demselben EU-Land. Brevo bietet ebenfalls ein volumenbasiertes Preismodell (und ist damit der direkteste Vergleichspunkt), ergänzt aber mit einem integrierten CRM, SMS, WhatsApp-Marketing und einem Live-Chat. Die Automatisierungstiefe ist erheblich größer. Wer mehr als E-Mail-Versand aus dem Tool braucht, ist bei Brevo funktional breiter aufgestellt.
Zum Brevo-Testbericht →MailerLite Aus Litauen 🇪🇺
Die einfachere, designorientiertere Alternative für Teams ohne technische Anforderungen. MailerLite hat einen besseren Drag-and-Drop-Editor, einen großzügigeren Gratis-Plan und eine modernere Benutzeroberfläche. Kein Kollaborations-Feature, kein SMTP-Relay-Fokus, aber für Marketing-Teams, die einen einfachen Newsletter-Workflow suchen, die intuitivere Lösung.
Zum MailerLite-Testbericht →ActiveCampaign Aus Chicago 🇺🇸
Die Alternative, wenn Automatisierungstiefe die Hauptanforderung ist. ActiveCampaign bietet mit Abstand die mächtigste Automatisierungsengine in diesem Testbericht, ein vollwertiges CRM und tiefe E-Commerce-Integration. Für Nutzer, die an Mailjets geringer Automatisierungstiefe scheitern, ist ActiveCampaign der logische nächste Schritt, auch wenn der Preis deutlich höher liegt.
Zum ActiveCampaign-Testbericht →Tipp: Du suchst ein Newsletter-Tool mit volumenbasiertem Preismodell? Unser Tool-Ranking 2026 vergleicht alle Preismodelle direkt nebeneinander.
Fazit: Für wen lohnt sich Mailjet?
Mailjet ist das richtige Tool, wenn Echtzeit-Kollaboration im Team, die Kombination aus Marketing- und Transaktionsmails auf einer Infrastruktur oder das volumenbasierte Preismodell bei großen Kontaktlisten mit seltenem Versand die Hauptanforderungen sind. Das Kollaborations-Feature hat im gesamten Marktvergleich keine echte Konkurrenz, und das volumenbasierte Modell macht Mailjet bei bestimmten Nutzungsprofilen deutlich günstiger als die kontaktbasierten Mitbewerber.
Wer dagegen einen einfachen, intuitiven Newsletter-Editor sucht, komplexe Automatisierungen oder ein CRM braucht oder deutschen Serverstandort benötigt, findet bei Brevo, MailerLite oder CleverReach passendere Lösungen.
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Mailjet kostenlos starten →Häufige Fragen zu Mailjet
Was ist das Echtzeit-Kollaborations-Feature bei Mailjet?
Warum ist Mailjet bei großen Listen günstiger als kontaktbasierte Tools?
Ist Mailjet DSGVO-konform?
Kann ich mit Mailjet Transaktionsmails und Newsletter aus demselben Account versenden?
Was bedeutet die Zugehörigkeit zur Sinch-Gruppe für Mailjet-Nutzer?
Über den Autor: Ringo Dühmke
Ringo ist seit 2001 als Online-Unternehmer aktiv und nutzt E-Mail-Marketing seit 2003. Als Gründer von Newsletter-Tipps.com testet er regelmäßig die gängigen Newsletter-Tools und bewertet sie aus der Perspektive eines Praktikers, der selbst täglich mit E-Mail-Kampagnen arbeitet.